Die alternative Kneipe „Zosch“ in der Spandauer Vorstadt. Photo Essay, teilnehmende Beobachtung und Interview.

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Außenansicht, Zosch, Tucholskystraße 30, Mitte (c) Sebastian Wormsbächer

Außenansicht, Zosch, Tucholskystraße 30, Mitte (c) Sebastian Wormsbächer

Das Zosch ist eine alternative Kneipe in der Spandauer Vorstadt in Berlin Mitte. Aus einem ursprünglicherweise vor über 20 Jahren besetzten Haus entwickelte sich eine Kneipe. Um die Spuren der Veränderungen in diesem Gebiet auszumachen,  begab ich mich mehrmals in das Zosch und dokumentie

re meine Besuche anhand folgender Methoden: Photo Essay, teilnehmende Beobachtung und InterviewField Report. Teilnehmende Beobachtung_Wormsbächer Foto Essay_Mitte_alternative Kneipe_Sebastian WormsbächerInterview, Transkription und Auswerrtung_Zosch_Mitte. Es sollten die Berliner Stadtteile Mitte, Moabit und Neukölln untersucht werden. Folgende Forschungsfrage begleitete das Seminar während der Untersuchung in unterschiedlichen gastronomischen Einrichtungen:

Unterscheiden sich die Stadtteile vor allem durch die unterschiedliche Zusammensetzung des gastronomischen Angebots oder unterscheiden sich gastronomische Einrichtungen gleichen Typs in den drei Stadtteilen?

Im Rahmen des Photo Essays zeigte sich, dass das Zosch dem Namen einer alternativen Kneipe äußerlich aller Ehre machen sollte. So wird im Zosch auf eine professionelle Beschilderung, eine einheitliche Bestuhlung oder auf einen modernen Putz kein Wert gelegt. Vielmehr vermittelt die Kneipe einen gewissen Eventcharakter, da auf diverse Veranstaltungen in der Lokalität hingewiesen wird. Somit ist das Zosch mehr als nur eine Kneipe in der sich regelmäßig getroffen wird. Jedenfalls suggerieren dies die Plakate am Fenster. Wie das Interview jedoch zeigte, so wird das Zosch jedoch zunehmend weniger aufgrund der Veranstaltungen besucht. So ist eher ein Rückgang der Besucher die explizit zu einem Konzert in die Kneipe kommen zu verzeichnen. Während meiner teilnehmenden Beobachtung stellte ich fest, dass viele Besucher die Kneipe vor allem aus dem Grund besuchen, um ihre weitere Abendplanung vorzubereiten. Der Hauptzweck des Aufenthalts ist somit der gemütliche Gesprächsaustausch. Nur wenige Menschen waren zu meinem Beobachtungszeitpunkt (05.01.13, Samstag, 20.30-23:00 Uhr) an einem Tisch und vertrieben sich die Zeit mit Schachspielen. Dies hat mit der sich veränderten Besucherstruktur zu tun. So erläuterte der Wirt in dem Interview, dass sich das Verhältnis zwischen Stammkunden und Touristen grundlegend verändert hat. Heutzutage prägen eindeutig Touristen (zu ca. 70%) das Bild gegenüber den Stammkunden (ca.30%). Nach Aussagen des Wirts war dieses Verhältnis vor noch wenigen Jahren genau andersrum.

Die Kneipe hat sich den Bedürfnissen der überwiegend touristischen Besucher angepasst. So ist die Getränkekarte auf English und Deutsch gehalten. Neben Getränken werden zudem verschiedene Gerichte angeboten, hierfür gibt es eine Küche im Hinterraum des Zosch. Das Geschäftskonzept des Zosch scheint gut aufzugehen, so schilderte mir der Wirt während des interviews, dass schwarze Zahlen geschrieben werden. Ein Grund für dieses in der Spandauer Vorstadt zu funktionierende Konzept ist sicherlich auch die fehlende Konkurrenz. So gibt es zwar noch das Schokoladen als weitere alternative Kneipe, diese wird vom Zosch jedoch nicht als Konkurrenz wahrgenommen. Durch die Atmosphäre des etwas abgerantzt-urigen Berlin erhält die Kneipe ein besonderen  „Flair“. Dies zeigt sich von Außen durch die ungeputzte Fassade als auch durch die Einrichtung selbst. Trotz oder gerade wegen diesen „Flair“ besuchen viele Tourist die Kneipe. Hierbei macht es keinen Unterschied, ob der Wirt gerade Punkmusik abspielt obwohl die Kundschaft gerade aus der Oper kommt. Durch diese Veränderungen hat sich das Verhältnis zwischen den Kunden und der Bewirtung verändert. So konnte ich während meines Photo-Essay und der teilnehmenden Beobachtung erkennen, dass die Bewirtung zwar offen und freundlich zu den Gästen ist, längere Gespräche werden nicht geführt. Somit soll wahrscheinlich eine gewisse Anonymität gewahrt werden. In meinem Interview lässt der Wirt erkennen, dass er seine Berliner Stammkundschaft auch vermisst. Trotzdem wird das ökonomische Potenzial positiv wahrgenommen und es wird sich auf die Touristen eingestellt. Dadurch hat die Kneipe scheinbar eine gewisse Professionalität erreicht, das Grundkonzept des Zosch hat sich über die Jahre hinweg trotzdem nicht verändert. Ein alternatives Erscheinungsbild wird somit weiterhin suggeriert, hinter der Bühne wird trotzdem auf den Gewinn geschaut. So schildert die Köchin in meinem Interview, dass zwei Familien von den Einnahmen des Zosch leben müssten.

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