Die Shisha-Bar in Berlin Mitte

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Vor mittlerweile sechs Jahren wurde die im Rahmen der Studie „Die gastronomischen Aspekte der Gentrification – eine Kneipenstudie in Berlin“ zur Untersuchung stehende Shisha-Bar in Berlin Mitte von ihrem heutigen Besitzer übernommen. Zwar gilt die Gentrifizierung im Untersuchungsgebiet als weitestgehend abgeschlossen, ihre Auswirkungen sind allerdings – insbesondere in Hinblick auf eine Veränderung von Publikumsstruktur, Konsumptionsmustern und Nachbarschaftsbezügen –  für die Einrichtung auch heute noch deutlich spürbar. Während die Shisha-Bar zu Beginn (damals auch Restaurant) noch eine der einzigen Bars in der Umgebung darstellte und von Touristenströmen geradezu überrannt wurde, wuchs mit den Veränderungen im Quartier auch die Konkurrenz. Entsprechend verringert haben sich seitdem Gästezahlen und Umsatz, was zu einer allgemeinen Unsicherheit bezüglich des Fortbestehens der Bar geführt hat. Einzig und allein der Status als „Raucherbar“ hebt die Einrichtungen momentan von der Vielzahl ähnlicher Etablissements im Quartier ab – ja scheint gegenwärtig sogar den Besuchergrund „Nummer eins“ darzustellen.

Touristen bilden auch heute noch mit Abstand die wichtigste Zielgruppe der Bar, allerdings weist auch ein nicht zu verachtender Teil der Gäste einen persönlichen Bezug zur Einrichtung auf. Insbesondere das arabisch-stämmige Personal bzw. arabisch-stämmige Kunden scheinen eine mitunter freundschaftliche Beziehung zueinander zu pflegen. Der Anteil direkter Nachbarn unter den Besuchern fällt hingegen relativ gering aus. Insbesondere neu zugezogenen Familien bzw. der wohlhabenden Nachbarschaft der Bar scheint das Nachtleben im Bezirk allgemein ein Dorn im Auge zu sein. Mit der Gentrifizierung des Untersuchungsgebiets wuchs nicht nur die Barszene, auch bezüglich der Mietpreise war ein enormer Anstieg zu verzeichnen. Die Bilanz: Zwei Interessengruppen, deren Anliegen nicht unterschiedlicher hätten ausfallen können. Regelmäßige Auseinandersetzungen sind entsprechend vorprogrammiert.

Die Gestaltung des Tresens (Shisha-Bar Berlin Mitte)

Ganzheitlich betrachtet zeichnen sich die Gästestrukturen in der zur Untersuchung stehenden Bar allerdings besonders durch ihre enorme Vielfalt aus. So finden sich in der Einrichtung in Berlin Mitte Gäste allen Alters und Nationalität – auch zurückzuführen auf  die touristenfreundliche Lage der Bar. Insbesondere zur Hauptgeschäftszeit, an Wochenenden bzw. Abenden, überwiegt jedoch mit Abstand die Zahl junger Gäste. Konsumiert werden hauptsächlich Cocktails und Longdrinks, welche einen Großteil der Getränkekarte einnehmen. Die Bedeutung der zum Verkauf stehenden alkoholischen Getränke spiegelt sich auch in der Dominanz der Theke im Eingangsbereich der Bar wider. Shisha-Pfeifen  werden hingegen nur von einigen Gästen konsumiert. Vielmehr wird die Möglichkeit wahrgenommen, Zigaretten im geschlossenen Raum zu rauchen. Hauptmotiv für den Besuch der Bar stellt neben dem Verfolgen von Fußballspielen, in erster Linie die Kommunikation der Gäste dar. Dabei geht diese allerdings – insbesondere bei Touristen – kaum über die eigene Besuchergruppe hinaus.

Allgemein vermitteln die Gestaltung und Atmosphäre der Shisha-Bar in der Spandauer Vorstadt einen einladenden und touristenfreundlichen Eindruck.  Pragmatismus und Geschäftssinn scheinen bei der Wahl des Gebiets als Kneipenstandpunkt deutlich im Vordergrund gestanden zu haben und garantierten lange Zeit den Erfolg der Einrichtung. Abzuwarten ist allerdings, ob die Schließung des nahe gelegenen „Tacheles“  langfristig zum Rückgang der Gästezahlen führen wird.  Ersten Einschätzungen der Mitarbeiter zufolge sind erste Auswirkungen bereits spürbar.

– PhotoEssay 

– TeilnehmendeBeobachtung    (Deckblatt  Inhaltsverzeichnis)

– Interview   ( DeckblatInhaltsverzeichnis)

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