Street Reading Berlin-Mitte Gruppe A

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GR5

Anhand von meh­re­ren Unter­su­chungs­ge­bie­ten in Ber­lin wird im Rah­men des Ver­tie­fungs­se­mi­nars ‚Räum­li­che Reprä­sen­ta­tio­nen des Sozia­len‘ bei­spiel­haft unter­sucht, wel­che spe­zi­fi­schen Nut­zun­gen in den Raum ein­ge­schrie­ben und wel­che Kon­flikte arti­ku­liert wer­den. Außer­dem wird geklärt, wel­che grup­pen­spe­zi­fi­schen Bedürf­nisse und For­de­run­gen den Stra­ßen­raum der ein­zel­nen Unter­su­chungs­ge­biete prä­gen. Durch das „Lesen“ der Straße anhand verschiedener textbeinhaltender Medien (Graffiti, Geschäftsschilder, Aushänge und Plakate) sollen diese Fragen untersucht und beantwortet werden. Im untersuchten Straßenabschnitt auf der Hauptverkehrsstraße der Torstraße im Untersuchungs­gebiet Berlin-Mitte (Spandauer Vorstadt) konnte zu jedem aus der Forschungsfrage abgeleiteten Medium mehrere Exemplare ausfindig gemacht werden. Insgesamt wurden 246 verschiedene Texte erfasst, wovon 159, also 65 Prozent als für die Forschungsfrage relevant erachtet und da­her transkribiert worden. Die Gesamtheit aller analysierten Straßentexte umfasst 22 Ladenschil­der, 101 Graffiti, 19 Aushänge und 17 Plakate. Das Medium Graffiti ist mit 64 Prozent mit Ab­stand am häufigsten vertreten. Neben einer subjektiv empfundenen hohen Dichte an Geschäften auf einem kurzen Straßenabschnitt von 260 Metern und einer dementsprechend hohen Anzahl an Ladenschildern, sind ebenfalls verhältnismäßig viele Aushänge und nur wenige Plakate zum Untersuchungszeitpunkt aufzufinden.

Insgesamt bedienen die Straßentexte eine sehr breite Palette an Themen, Sprachen, Zielpersonen und Gestaltungsweisen. Stilistisch sind sie eher schwer zu kategorisieren: von kurz und einpräg­sam, kritisch, auffordernd, zum Konsum anregend über geheimnistuerisch, plump, direkt und ernst bis zu lustig und unterhaltsam werden eine Vielzahl von Rezipienten und Reize angespro­chen. Omnipräsent scheint der für den Stadtbezirk teilweise charakteristische minima­listische Gestaltungsstil, der sich sowohl in der Einrichtung und Außenrepräsentation einiger Geschäfte als auch auf den Aufmachungen der Plakate wiederfindet.

Auffällig ist darüber hinaus das wiederkehrende Motiv der Internationalität, welches über die Multi-Lingualität der Texte deutlich wird. Insgesamt wird auf 82 Prozent aller Texte Englisch oder eine andere nicht-deutsche (Französisch, Dänisch, Arabisch etc.) Sprache zur Kommunika­tion verwendet, was der zunehmenden Internationalität Berlins insbesondere des Bezirkes Mitte geschuldet sein kann. Besonders zu Buche schlägt hierbei der große Fremdsprachenanteil der Graffiti (lediglich ein Text ist auf Deutsch), während jedoch auch auf allen anderen Medien je­weils ungefähr zur Hälfte andere Sprachen Verwendung finden.

Es zeigt sich, dass unsere Forschungsergebnisse des Street-Readings die Grundlage für eine Grounded Theory bilden könnten, wie sie beispiels­weise Andreas Böhm konzeptualisiert. Anhand der Medien Geschäftsschild, Aushang, Plakat und Graffiti wurden Raumnutzungen, Forderungen, Bedürfnisse und Konflikte der Anwohner_innen untersucht. Es zeigt sich, dass unser Untersuchungsgebiet vor allem durch kommerzielle Nutzung und hedonistische Bedürfnisse gekennzeichnet ist, in dem kaum Forderungen und Konflikte durch genannte Medien artikuliert werden. Daraus könnte man schließen, dass die Anwohner_innen im Untersuchungsgebiet Berlin-Mitte in der Tat wenige Forderungen haben und keine Konflikte sehen, die sie über die betrachteten Medien artikulieren wollen. Vielleicht ist der Gentrifizierungsprozess in Berlin-Mitte wirklich schon soweit abgeschlossen, dass der öffentliche Raum bereits zu „sauber“ für diese Art von Analyse ist.

 

Hier kann der vollständige Report runtergeladen werden, er ist zu groß als Anhang (Download bis zum 11.03.2013 gültig):

http://we.tl/wXWYmWs0hs

 

 

 

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