Street-Reading Moabit: Stromstraße im Nordkiez

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Graffiti in der Stromstraße: „Vorrundenaus für Deutschland ’06“

Die Untersuchungen des Seminars „Repräsentationen des Sozialen“ zielen auf einen Vergleich zwischen den Berliner Gebieten Moabit, Spandauer Vorstadt und Nord-Neukölln. Innerhalb unserer Untersuchung wurde der nördliche Teil der Stromstraße im Moabiter Nordkiez ausgewählt, eine vierspurige Geschäftsstraße, die vor allem vom Durchgangsverkehr geprägt ist. Die Stromstraße stellt die Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Gewerbe- und Industriegebiet Westhafen bis hin zum Stadtring dar.

Nach Reinhold Alber stellen wir die Vermutung an, dass Straßentexte stadtteilspezifische Eigenheiten markieren, die in der Regel im Alltag nur oberflächlich zur Kenntnis genommen und durch die  Methode des Street-Readings bewusst wahrgenommen und kategorisiert werden (Vgl. Alber 1997: S. 20). Für die Forschungsfrage, welche Konflikte, Forderungen, Bedürfnisse und spezifischen Nutzungen der Anwohner über den Straßentext in den städtischen Raum eingeschrieben sind, wurde die Gesamtheit der Schriftzeichen in der Stromstraße auf vier Medien begrenzt, fotografiert, kodiert und ausgewertet.

Während unserer Untersuchung wurden 11 Plakate, 35 Aushänge, 46 Geschäftsschilder und 46 Graffiti aufgenommen. Im Vergleich zu anderen Hauptstraßenabschnitten ließen sich relativ wenig Verschriftlichungen im öffentlichen Raum finden. Wir führen diese Feststellung darauf zurück, dass es sich bei der Stromstraße um eine stark befahrene Durchfahrtsstraße handelt. Vor Ort stellten wir bereits fest, dass 200m Straßenabschnitt nicht ausreichen um eine repräsentative Fallzahl an Verschriftlichungen in Form von Plakaten, Aushängen, Geschäftsschildern und Graffiti, für eine wissenschaftliche Auswertung zu erreichen. Aus diesem Grund entschieden wir uns beide Seiten der Stromstraße in unsere Untersuchung einzubeziehen.

Da es sich bei den vorgefundenen Texten hauptsächlich um die Angebote kommerzieller, gewerblicher Dienstleister handelte, erschien es uns hinsichtlich unserer Untersuchungsfrage nach der spezifischen Nutzung, den Bedürfnissen, den Forderungen und den Konflikten der Anwohner, kompliziert sinnvolle Rückschlüsse zu ziehen.Für unser Untersuchungsgebiet lässt sich feststellen, dass die gewerblichen Strukturen stark ausgeprägt sind. Aufgefallen ist, dass es kaum spezifische Nutzungen durch die Anwohner gibt, bzw. dass sie sich nicht über unsere Untersuchungsdimensionen äußern. Dies könnte darauf zurückgeführt werden, dass es sich bei der Stromstraße eher um eine Durchfahrtsstraße, als um eine Anwohnerstraße handelt. Der Straßenabschnitt bietet wenig Möglichkeiten sich in öffentlichen oder privaten Räumen zu versammeln und sozialen, kulturellen oder künstlerischen Beschäftigungen nachzugehen. Das Gesamtbild spiegelt eher den gewerblichen, industriellen Charakter des angrenzenden Industriegebietes am Westhafen wieder.

Die Bedürfnisse und Forderungen der Anwohner werden hauptsächlich über Plakate artikuliert, jedoch auch nicht besonders stark, da es sich lediglich um eine Einladung zum Moabiter Hoffest handelt. Außerdem findet sich auf dem Plakat zum Hoffest eine Einladung zur Podiumsdiskussion, bei der es um das Sanierungsgebiet Turmstraße geht. Hier lässt sich einer der wenigen artikulierten Konflikte vermuten.

Innerhalb des Forschungdesigns trafen wir auf einige Hindernisse. Zum einen erschien es uns schwer, nur auf der Grundlage der vorgefundenen Straßentexte Rückschlüsse hinsichtlich der Bedürfnisse, Nutzungen, Forderungen und Konflikte der Anwohner zu ziehen. Zum einen war die vorgefundene Fallzahl der Texte im öffentlichen Straßenraum eher gering, desweiteren war der überwiegende Teil kommerzieller Natur. So ist es fast unmögliche die Bedürfnisse der Anwohner zu erfassen ohne mit diesen in Kontakt zu treten. Bei einer anknüpfenden Untersuchung sollte auch die Methode des  Interviews berücksichtigt werden. Außerdem scheint es schwer durch eine punktuelle Untersuchung an einem kalten, kurzen Tag im Januar, eine allgemeingültige Aussage zu treffen.

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