Das Myxa: Ausdruck und Gestalter im Aufwertungsprozess von Nordneukölln

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Cafe Myxa, Lenaustraße, Nordneukölln

Cafe Myxa, Lenaustraße, Nordneukölln

Das Cafe Myxa befindet sich in der Lenaustraße, im Reuterkiez Neuköllns und ist, nach unseren im Seminar getroffenen Kriterien, der gastronomischen Einrichtung „studentisch-alternatives Cafe“ zuzuordnen. Die Ergebnisse aus Foto-Essay, Teilnehmende Beobachtung und Interview weisen auf ein mehrdimensionales Zusammenspiel von Gentrifizierungprozessen und gastronomischen Strukturen in Nordneukölln hin: Das Myxa ist als Folge bzw. Ausdruck sowie Gestalter der Gentrifizierung des Viertels zu beurteilen.

Das Myxa entstand im Sommer 2011, zu einem Zeitpunkt als die „Pionierphase“ des Gentrifizierungsprozesses im Norden Neuköllns bereits vorangeschritten war und sich zeigte in einem Zuzug von Pionieren (Studierende, Künstler, Selbstständige), einer symbolischen Aufwertung sowie Veränderung der Gewerbestruktur des Gebiets (vgl. Holm 2007). Die Entstehung des Myxas ist insofern auf diesen Wandel zurückzuführen: Die Besitzer selbst können zu der Gruppe der Pioniere gezählt werden. Sie sind jung, kulturell interessiert, internationaler Herkunft und zumindest einer von ihnen, mein Interviewpartner, verfügt über einen akademischen Abschluss und Beruf. Wegen der geringen Miete und dem breiten kulturellen Angebot (Konzerte, Lesungen, Bars etc.) waren sie in den Reuterkiez gezogen. Mit dem Myxa wollten sie einem jungen, kultur- und bildungsbezogenem Milieu – sprich den Pionieren – einen Raum für einen offenen und sozialen Austausch schaffen. Sie zogen dieser Aufwertung und dem ansässigen Milieu quasi hinterher.

Entstanden in bzw. aus diesem Aufwertungsprozess, ist das Myxa ebenso an der Gestaltung und Verstärkung dieses Wandels beteiligt. Indem es einen kulturellen Treffpunkt bietet, trägt es zu einer Aufwertung seiner Umgebung bei. Ein Cafe und Grund mehr für Kreativitätsbegeisterte und -schaffende nach Nordneukölln zu ziehen. In seiner Offenheit und Toleranz verschließt sich das Myxa nicht gegen diese Form des Zuzugs und der Durchmischung. Im Gegenteil: Neuberliner internationaler Herkunft mit kulturellen Interessen sind beliebte Gäste und bilden die Stammkundschaft des Cafes. Paradox: das Cafe ist ein Ort der Inklusion und zugleich der Exklusion. Denn die Pioniere schließen, auch wenn sie das vermutlich nicht beabsichtigen, andere Bevölkerungsgruppen aus, die ihrem Milieu nicht entsprechen; in Nordneukölln und exemplarisch im Myxa, denn bildungs- und kulturferne Gruppen zählen nicht zu den Besuchern des Cafes.

Ein weiteres Merkmal von Gentrifizierungsprozessen, die Veränderung des Nachbarschaftscharakters (vgl. Holm 2007), ist in der Myxa-Entstehung realisiert: Denn die Besitzer gestalteten ihre private Wohnung zu dem Cafe um; Eine (im Falle des Myxas freiwillige und selbstbezogene) Verdrängung aus privaten (Wohn)Räumen für eine öffentliche und kulturelle Nutzung dieser. Die nun öffentliche Einrichtung wirkt wiederum auf das Private, nämlich die Bevölkerungsstruktur und damit das Bewohnen der Wohnungen im Viertel.

Die Gesamtbetrachtung zeigt, dass der Zusammenhang von Gentrifizierung und gastronomischen Einrichtungen ein komplexer, mehrdimensionaler Prozess ist, und das Myxa diesen in Teilen für Nordneukölln exemplarisch abzubilden scheint.   Verwendete Literatur Holm, Andrej (2007): Endstation Neukölln oder neuer Trendkiez? Mieter-Echo. Im Internet: http://www.bmgev.de/mieterecho/324/06-gentrifizierung-neukoelln-ah.html

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