Der Sportpark Poststadion

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Im Rahmen des Seminars „Moabit ist Beste – Zur sozialräumlichen Transformation eines Stadtquartiers“ wurden Untersuchungen zu Gentrifizierungsprozessen in Berlin-Moabit getätigt. Dabei kristallisierte sich besonders der Bereich um die Lehrter Straße im Osten des Ortsteils als ein räumlicher Schwerpunkt der Entwicklung heraus. Diese Arbeit hat den westlich an die Lehrter Straße angrenzenden Sportpark Poststadion zum Thema und beleuchtet die geplanten und schon durchgeführten Vorhaben sowie deren potentielle Auswirkungen auf die unmittelbare Umgebung. Ferner soll die Frage nach der Akzeptanz der Maßnahmen innerhalb der Bewohnerschaft des Kiezes aufgeworfen und beantwortet werden.

Angesichts einer Vielzahl von Bauvorhaben ist es nicht nur für betroffene Anwohner und potentielle Nutzer schwierig, einen Überblick über Inhalte, zeitliche Abläufe und Beteiligungsmöglichkeiten zu behalten. Daher werden an dieser Stelle zunächst die wichtigsten Planungen und ihre jeweiligen Akteure dargestellt.

Während sich auf der östlichen Seite der Lehrter Straße die Planung auf die Anlage neuer Wohn- und Mischgebiete konzentriert (Mittelbereich Lehrter Straße, S-Bahnlinie S 21, Europacity im Heidestraßenquartier), wird der Sportpark Poststadion gemäß des aktuellen Flächennutzungsplans auch weiterhin als Grünfläche fungieren (vgl. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt 2012). Die Grundstruktur mit dem Baudenkmal Poststadion und dem Fritz-Schloß-Park bleibt erhalten, jedoch werden einige Nutzungen eingeschränkt und andere wurden und werden noch ergänzt.

Die prominenteste Veränderung stellt der geplante Bau des Vabali Spa dar. Dieses „Luxus Resort in der Mitte der Stadt“ (Vabali Spa (a)) wird zu Teilen auf dem Gelände des ehemaligen Sommerbades entstehen. Anhand dieses Anspruchs der Betreiber kann man schon die kontroverse Wirkung auf die Bewohner von Moabit erahnen. Im Jahr 2009 hatten die Gebrüder Theune aus Köln das 19.000 Quadratmeter große Gebiet vom Liegenschaftsfond Berlin erworben (vgl. Torka 2009, Aulich 2012). Das Bruderpaar hat 500 Angestellte in vergleichbaren Anlagen in Deutschland und betreibt unter anderem auch das Liquidrom in Kreuzberg (vgl. Steinert 2012). Für die Anlage wurde ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erarbeitet, welcher vom 20. Juni 2011 bis 20. Juli 2011 öffentlich ausgelegt wurde (vgl. Schwenzel 2011). In der Bezirksverordnetenversammlung vom 24. Januar 2013 wurde der Planentwurf letztlich beschlossen (vgl. Bezirksverordnetenversammlung Mitte von Berlin 2013). Nach einigen Verzögerungen und Namensänderungen soll die ursprünglich für 2011 geplante Eröffnung zu Beginn von 2014 vollzogen werden (vgl. Aulich 2012). Dann sollen die 20 Millionen Euro Baukosten durch Eintrittskarten zu 20 Euro kompensiert werden (vgl. ebd.).

Das Land Berlin hat damit ein Areal verkauft, welches zuvor den Bäderbetrieben gehörte, die sich allerdings in einer schlechten wirtschaftlichen Lage befinden. Als Ausgleich soll „am Stadtbad Tiergarten ein 25 Meter langes und 12,5 Meter breites Außenbecken“ (ebd.) gebaut werden. Die Umsetzung dieses Projekts ist allerdings sehr unsicher, da die Bäderbetriebe „nach einem Beschluss des Abgeordnetenhauses keinen Quadratmeter Wasser im Außenbereich mehr bauen“ (ebd.) dürfen. Somit müssen die Moabiter wohl lange auf eine günstige Alternative zum Vabali Spa warten. Dessen Betreiber haben mit Angestellten und Bewohnern der zukünftigen Europa City ein anderes Klientel im Blick (vgl. Steinert 2012). Der Einzugsbereich soll das gesamte Stadtgebiet umfassen und das Angebot auch Touristen ansprechen (vgl. ebd.). Auf lokaler Ebene setzt man dagegen auf Abgrenzung vom umliegenden Stadtquartier und unterstützt die Barrierewirkung durch den Fritz-Schloß-Park: „Er bietet die ideale Kulisse für die Außenanlagen des Spa und schottet das Gelände weiträumig gegen die dahinter liegenden Stadtteile Tiergarten und Moabit ab“ (Vabali Spa (b)).

Die günstige Lage nahe des Hauptbahnhofs und einige Terminverschiebungen im Planungsprozess sind Parallelen zu einem weiteren Projekt, der Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins (DAV). Allerdings stößt dieses Vorhaben auf weit weniger Widerstand in der Bevölkerung. Das liegt zum einen an der Erweiterung des Freizeitangebotes im Sportpark, zum anderen an der Tatsache, dass „der Verein mit seiner Halle keine kommerziellen Interessen verfolgt“ (Liptau 2012) und somit eine kostengünstige Möglichkeit zur Hobbyausübung bereitstellt. Aus diesem Grund fällt der Verein unter das deutsche Sportstättenfördergesetz und bekam deshalb das Areal zu vorteilhaften Konditionen vom Eigentümer, dem Bezirk Mitte, was einen konkurrierenden Kletterhalleninhaber zu einer Klage veranlasste (vgl. ebd.). Der folgende Baustopp wurde durch das Oberverwaltungsgericht aufgehoben und die Bauarbeiten konnten fortgesetzt werden (vgl. Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz 2012). Nachdem auch bei diesem Projekt eine Fertigstellung für 2011 angestrebt wurde, kann die Halle nun erst im April 2013 eröffnet werden (vgl. Torka 2011, DAV Kletterzentrum Berlin 2012). Die Baukosten wurden mit ca. zwei Millionen Euro veranschlagt (vgl. Torka 2011).

Im Zuge von Stadtumbau-West-Maßnahmen wurden mehrere kleinteilige Veränderungen im Park umgesetzt. Das Gebiet an der Lehrter Straße ist Bestandteil des Fördergebietes Tiergarten-Nordring/Heidestraße. Leitziel ist hier „die Modernisierung, Ergänzung und Neustrukturierung der Freiräume“ sowie die Verbindung der „Turmstraße mit der Heidestraße und dem Hauptbahnhof“ (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt 2009). Die Umstrukturierungen beinhalten eine „Laufstrecke im Park, das Tribünengebäude des Poststadions, die Überdachung der Skater- und Hockey-Anlage und ein[en] Minigolfplatz“ (ebd.). Hierfür entstanden in den Jahren 2007 bis 2011 Gesamtkosten von 2,5 Millionen Euro (vgl. ebd.). Überdies sind die Aufwertung der Bereiche um das Poststadion und des Südplateaus im Fritz-Schloß-Park mit Finanzmitteln aus dem Förderprogramm in Arbeit (vgl. Lehrter Straße 2012). Um das Geschaffene auch zu erhalten, haben sich viele Akteure zu einem Netzwerk zusammengeschlossen (vgl. ebd.).

Abb.1: Gruppe Planwerk: Sportpark Poststadion - Nutzergruppen und Preisniveau, unter: http://www.lehrter-strasse-berlin.net/wp-content/uploads/2012/04/Sportausschuss_27_03_12.pdf, Zugriff am 18.03.2013

Abb.1: Gruppe Planwerk: Sportpark Poststadion – Nutzergruppen und Preisniveau, unter: http://www.lehrter-strasse-berlin.net/wp-content/uploads/2012/04/Sportausschuss_27_03_12.pdf, Zugriff am 18.03.2013

Inwieweit die beschriebenen Vorhaben gentrifizierend auf Moabit einwirken, ist natürlich noch nicht vollends abzusehen. Dass sie aber zum Teil erhebliche Auswirkungen auf Bewegungen innerhalb des Ortsteils und auch von außerhalb haben werden, gilt als gesichert. Vor allem das Vabali Spa zielt auf eine Kundenschicht, die trotz der guten Anbindung zu öffentlichen Verkehrsmitteln eher mit dem eigenen Auto anreisen wird. Zusammen mit der Kletterhalle entsteht ein neuer Anziehungspunkt in Moabit, der Menschen aus der ganzen Stadt anlocken kann. Bei nicht repräsentativen Bürgerbefragungen in der Lehrter Straße stand die Mehrzahl der Leute der Wellnessanlage skeptisch gegenüber. Viele hätten sich eher eine Renovierung und Erweiterung des Stadtbads gewünscht. Auch wurde die Vermutung geäußert, das Spa könne weitere Aufwertungsmaßnahmen nach sich ziehen, die letztendlich die Mietpreise noch stärker wachsen ließen. Es gab aber auch Stimmen, die auf die Schaffung von lokalen Arbeitsplätzen verwiesen und solche, die sich auf das gehobene Angebot freuten. Die Kletterhalle wurde durchgehend positiv bewertet, vor allem die Klettermöglichkeiten außerhalb der Halle, die auch von Nicht-Vereinsmitgliedern genutzt werden können. Bei den geförderten Maßnahmen durch Stadtumbau West störte einige Befragte die Konzentration auf den sportlichen Aspekt und die Umbenennung von Fritz-Schloß-Park in Sportpark Poststadion. Die Durchwegungen und die neuen Betätigungsmöglichkeiten wurden gut angenommen.

Insgesamt beschäftigt viele Anwohner das Thema Aufwertung, da sie durch steigende Wohnungsmieten selbst damit konfrontiert werden. Andererseits wünschen sich die meisten ebenso eine deutliche Entwicklung, die von öffentlicher Seite gesteuert wird. Dies wurde auch 2007 bei der Vorstellung des damaligen Bezirksstadtrates für Stadtentwicklung, Ephraim Gothe, geäußert: „Doch wann wird mal etwas extra für dieses Quartier getan?“ (Meise 2007). Es gilt also, den Spagat zwischen gehobenen und günstigen Mieten sowie auf den Park an der Lehrter Straße bezogen, einen akzeptierten Nutzungsmix zu schaffen. Ein Kiezpark, wie es der Sportpark Poststadion noch ist, stellt einen guten Indikator für die Durchmischung der Anwohner dar. In diesem Sinn ist die Förderung durch Stadtumbaumaßnahmen ein vielversprechender Ansatz, sofern auch regelmäßige Pflegearbeiten stattfinden. Die beabsichtigte Abschottung des Wellnessbads ist dagegen kontraproduktiv, könnte aber gleichzeitig die Gentrifizierungswelle, die vom Hauptbahnhof herüberschwappt, ein wenig abbremsen. Zusammen mit der Kletterhalle besitzt der Park dann eine überörtliche Anziehungskraft, die sich auch für andere Gewerbetreibende positiv auswirken kann und ein erweitertes, auf Bewohner und Besucher zugeschnittenes Angebot im gastronomischen und kulturellen Bereich nach sich ziehen kann. Im Hinblick auf die weitere Entwicklung rund um den Hauptbahnhof ist die Inklusion breiter sozialer Schichten im Zentrum der Stadt ein wichtiges Merkmal von Berlin, was die Stadt noch immer von anderen Großstädten im deutschen und europäischen Raum unterscheidet. Daher sollten auch in Zukunft sozialverträgliche Freizeitmöglichkeiten, wie das Stadtbad Tiergarten, betrieben werden.

 


 

Internetquellen

Aulich, Uwe (2012): Neuer Pool im alten Sommerbad, in: Berliner Zeitung (06.12.2012), unter: http://www.berliner-zeitung.de/berlin/tiergarten-neuer-pool-im-alten-sommerbad,10809148,21050422.html, Zugriff am 18.03.2013

Bezirksverordnetenversammlung Mitte von Berlin (Hrsg.) (2013): Protokoll (05.02.2013), unter: http://www.berlin.de/imperia/md/content/bamitte/bvv/16_bvv_protokoll.pdf?start&ts=1360062702&file=16_bvv_protokoll.pdf, Zugriff am 18.03.2013

DAV Kletterzentrum Berlin (2013): FAQ, unter: http://www.kletterzentrum.dav-berlin.de/index.php/faq, Zugriff am 18.03.2013

Lehrter Straße (2012): SportPark Poststadion Moabit, unter: http://www.lehrter-strasse-berlin.net/wp-content/uploads/2009/06/Stadtumbautafel_12-2012_A3.pdf, Zugriff am 18.03.2013

Liptau, Ralph (2012): Deutscher Alpenverein gibt Startschuss für Kletterhalle, in: Berliner Woche (11.09.2012), unter: http://www.berliner-woche.de/nachrichten/bezirk-mitte/moabit/artikel/2105-deutscher-alpenverein-gibt-startschuss-fuer-kletterhalle/, Zugriff am 18.03.2013

Meise, Burkhard (2007): Optimistischer Blick in Moabits Zukunft, in: stadt.plan.moabit, Nr. 48, April 2007, unter: http://www.moabitonline.de/1252, Zugriff am 18.03.2013

Schwenzel, Jürgen (2011): Bebauungsplan Wellnessbad “balii spa”, in: MoabitOnline (20.06.2011), unter: http://www.moabitonline.de/9170, Zugriff am 18.03.2013

Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz (Hrsg.) (2012): Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins darf weitergebaut werden – 16/12 (06.07.2012), unter: http://www.berlin.de/sen/justiz/gerichte/ovg/presse/archiv/20120706.1540.372351.html, Zugriff am 18.03.2013

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Hrsg.) (2009): Das Fördergebiet Tiergarten-Nordring/Heidestraße, unter: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/staedtebau/foerderprogramme/stadtumbau/Tiergarten-Nordring-Heidestrasse.1629.0.html, Zugriff am 18.03.2013

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Hrsg.) (2012): Flächennutzungsplanung Berlin, unter: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/fnp/de/fnp/index.shtml, Zugriff am 18.03.2013

Steinert, Peter (2012): Berlin ist eine Bäder-Reise wert, in: nw-news.de (15.12.2012), unter: http://www.nw-news.de/owl/kreis_minden_luebbecke/bad_oeynhausen/bad_oeynhausen/7426010_Berlin_ist_eine_Baeder-Reise_wert.html, Zugriff am 18.03.2013

Torka, Susanne (2009): Amala Spa im Poststadion, in: MoabitOnline (15.07.2009), unter: http://www.moabitonline.de/1740, Zugriff am 18.03.2013

Torka, Susanne (2011): Neue Kletterhalle für das Poststadion, in: MoabitOnline (12.10.2011), unter: http://www.moabitonline.de/10690, Zugriff am 18.03.2013

Vabali Spa (a), unter: http://www.vabali.de, Zugriff am 18.03.2013

Vabali Spa (b), unter: http://www.vabali.de/lage.htm, Zugriff am 18.03.2013

 

Abbildung

Abb.1: Gruppe Planwerk: Sportpark Poststadion – Nutzergruppen und Preisniveau, unter: http://www.lehrter-strasse-berlin.net/wp-content/uploads/2012/04/Sportausschuss_27_03_12.pdf, Zugriff am 18.03.2013

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