Die Curry Hütte Moabit im Spreebogen

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Zwischen der Spree, der JVA Moabit und Aussen_foto_curry_hüttedem Kleinen Tiergarten befindet sich an der Ecke Kirchstr./Alt-Moabit die Curry Hütte Moabit. Von außen versuchen zwar ein Aufsteller und ein Banner über dem Eingang auf den Imbiss aufmerksam zu machen, insgesamt wirkt er jedoch eher unauffällig. Im September 2012 wurde die Curry Hütte als dritte Gastronomie des Eigentümers in der Nachbarschaft eröffnet. Die anderen Einrichtungen sind Cafés, in denen der Eigentümer – ebenso wie im Imbiss – selbst nicht arbeitet, sondern lediglich den Einkauf organisiert. In der Curry Hütte Moabit arbeitet eine einzige Angestellte, die den Imbiss morgens um neun Uhr öffnet und nachmittags um ca. 17 Uhr schließt.

Die übergeordnete Forschungsfrage unserer Untersuchung lautete: Unter­schei­den sich die Stadt­teile vor allem durch die unter­schied­li­che Zusam­men­set­zung des gas­tro­no­mi­schen Ange­bots oder unter­schei­den sich gas­tro­no­mi­sche Ein­rich­tun­gen glei­chen Typs in den drei Stadtteilen? Dies sollte durch drei methodische Zugänge bearbeitet werden: der Foto-Essay, die teilnehmende Beobachtung und das Interview.

 

Der Foto-Essay

Mit der Analyse der Fotografien ließen sich Hypothesen über die Kundschaft sowie über das Nutzungs- und Konsumverhalten der Gäste aufstellen. Demnach äußerte ich in diesem ersten Arbeitsschritt die Vermutung, dass sich die Kundschaft größtenteils aus dem Arbeitermilieu zusammensetzt und dass der Imbiss in einer Weise eingerichtet ist, die dazu animiert dort etwas zu Essen und zu Trinken, dann aber bald wieder zu gehen. Ebenso konnte ich die Interaktion eines Stammgastes mit der Wirtin ablichten und stellte hier ein persönliches, enges Verhältnis fest. Dem Spielautomaten in der Ecke des Imbisses maß ich zu dem Zeitpunkt noch eine eher dekorative Funktion bei.

 

Die teilnehmende Beobachtung

Einige dieser vorläufigen Vermutungen konnten sich durch die teilnehmende Beobachtung erhärten. So verortete ich die Kundschaft auch nach der teilnehmenden Beobachtung nach wie vor im Arbeitermilieu. Hinzu kam die Beobachtung, dass die Altersstruktur der Gäste auffällig hoch zu sein scheint. So war kein Gast unter geschätzten 45 Jahren währen des Beobachtungszeitraums im Imbiss. Ebenso bestätigte sich die Vermutung, dass der primäre Zweck des Besuches in dem Verspeisen von Nahrung – meist Currywurst mit Pommes – liegt. Kaum ein Gast verbrachte nach dem Essen Zeit im Imbiss oder suchte während des Besuches die Konversation mit anderen Gästen oder der Wirtin. Die Beobachtung erhärtete zudem meine Vermutung, dass der Spielautomat in der Ecke des Imbisses nicht häufig benutzt wird.

 

Das Interview

Im Zuge des Interviews mit der Wirtin konnte ich einige meiner Hypothesen bestätigen und musste andere verwerfen. Beispielsweise sagte meine Gesprächspartnerin, dass der Spielautomat durchaus des Öfteren genutzt wird, was meiner bisherigen Vermutung konträr entgegensteht. Meine Aussagen über die Kundschaft und ihre Lebensstil- und Konsumpreferenzen haben sich allerdings bestätigt. So seien es überwiegend Arbeiter, vor allem aus der naheliegenden JVA, die dort in ihrer Mittagspause einkehren. Durch das Interview konnte ich ebenso Thesen über die Ortsbezogenheit des Imbisses ableiten, was aus dem Foto-Essay oder der teilnehmenden Beobachtung in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. So konnte ich direkt nachfragen, welche Bedeutung die Wirtin der Nachbarschaft beimisst und wie sie bzw. der Eigentümer mit ihr verbunden sind. Das Fazit dieser Frage ist, dass der Imbiss aus ökonomischen Motiven eröffnet wurde und sowohl die Wirtin als auch der Eigentümer keine besondere Verbindung zu dem Kiez haben, außer dass sie dort wohnen. Die Wirtin beschrieb die Nachbarschaft für ihren eigenen Wunschimbiss selbst als austauschbar. Auffälligerweise suchte die Wirtin, ebenso wie viele andere  Gastronomen nach einem Alleinstellungsmerkmal, das gerade ihre Einrichtung zu etwas Besonderem macht. Beim Beispiel der Curry Hütte Moabit versuchte die Wirtin dies darüber, dass es die einzige deutsche Imbissbude einer Gegend ist, in der es sonst nur „ausländisches Essen“ gebe. Ob sich eine starke Verbundenheit zum  Kiez erst über einen längeren Zeitraum einstellen kann und somit bei einem Imbiss, der gerade einmal ein halbes Jahr existiert nicht zu erwarten war, müsste an anderer Stelle untersucht werden.

Wie sich gezeigt hat, war es für die Hypothesenbildung durchaus vorteilhaft, dass mehrere methodische Zugänge gewählt wurden. Einige Thesen konnten zwar bereits durch den Foto-Essay aufgestellt und im weiteren Verlauf belegt werden, andere musste ich jedoch verwerfen. Durch die mehrmalige Beforschung mit unterschiedlichen Methoden konnte ich somit das Risiko vermindern, dass aus einer untypischen Situation eine generalisierende Aussage ableite.

 

Foto Essay_Spreebogen_Curry_Hütte

Teilnehmende_Beobachtung_Spreebogen_Curry_Hütte

Interview_Spreebogen_Curry_Hütte

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