Street Reading Moabit 1b

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Auszug aus dem Final Report:

Es lässt sich feststellen, dass eine gewerbliche Nutzung den Straßenzug dominiert. Ein öffentlicher Diskurs im Stil des visuellen Geschehens in der Reichenberger Straße in Kreuzberg findet weder mittels Graffiti, Plakat noch Aushang statt. Plakate und Aushänge sind überwiegend, so nicht abgerissen, von geschäftlicher Art. Vermutet werden kann, dass einerseits das wildes Plakatieren bekämpft wird und andererseits die Geschäfte nicht als Orte eines diskursiven Aushängens von Plakaten betrachtet werden. Der Mangel an Aushängen kann mit der geringen Verweilqualität in Zusammenhang stehen: warum sollten, wo niemand stehen bleibt, Klavierunterricht, Baby-Sitting oder Wohnungsgesuche auftauchen? Die Graffitis sind allenfalls als Reviermarkierungen von Jugendlichen zu bezeichnen, politische Forderungen und/oder künstlerischer Anspruch sind ebenso wenig erkennbar wie berühmte Akteur_innen. Es dominiert der transitorische Charakter des Gebietes, der sich aus der stark befahrenen Straße ergibt. Hier ist dann auch die ganze Häuserzeile unter ständiger Beobachtung, was die Artikulation von Konflikten behindern dürfte. Der Leerstand wirkt mit 28,6% der Geschäfte eher hoch (wobei nur in der Hälfte der Fälle Immobiliengesellschaften mit der Vermittlung beauftragt wurden. Auch das Quartiersmanagement ist kaum sichtbar aktiv, obwohl die Rostocker Straße nicht weit weg ist. Es zeigt sich insgesamt eine Geschäftsnutzung, der an vielen Stellen materielle Abnutzungserscheinungen anzusehen sind, der aber auch im Wandel ihrer Zusammensetzung eine Art sozialer Abstieg eingeschrieben ist. Dabei sind die Häuser selbst im Grunde nicht in schlechtem Zustand: teilweise gepflegte Alt- und Neubauten, denen aber die Abgase den Putz verfärben und den Bewohner_innen wohl die Luftqualität mindern. Eines der Häuser weist Taubenbefall auf, was im Falle eines Nichteinschreitens der Vermieter_in ein Mietminderungsgrund ist. Wie die Verfallsindikatoren zu interpretieren sind lässt sich so nicht beantworten: einerseits sind mangelnde Pflege der Geschäfte und Casinoisierung als Verfall zu verstehen, doch ob dem Verfall Aufwertungsstrategien folgen werden ist unklar. Gegen die Spielcasinos haben sich zumindest schon einige Leute organisiert, die Begehungen machen und im Zusammenhang mit dem Quartiersmanagement die Casino-Verdichtung zum Problem machen. Die Glücksspieldichte dürfte daher wohl einen nützlichen Indikator abgeben.

Final_Moabit 1b Street Reading

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