Café Maxonia

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Qualitative Methoden der Stadtforschung am Beispiel der Cocktailbar Café Maxonia

 

Die Forschungsarbeit zur Einrichtung „Café Maxonia“ in der Birkenstr. 12 (Untersuchungsgebiet Wedding IV) gliederte sich in drei nacheinander durchgeführte Forschungsschritte, denen jeweils verschiedene Methodenzugrunde lagen. Die Schritte waren 1. eine visuelle Untersuchung und Darstellung der Einrichtung in Form eines Photoessays, 2. eine Aktionsforschung in Form einer teilnehmenden Beobachtung und 3. einInterview mit dem Geschäftsführer welcher gleichzeitig der Besitzer der Einrichtung ist.

02 Gesamtszenerie der Einrichtung.

Im Photoessay wurden insgesamt sieben Bilder ausgewählt. Diesezeigen zum einen die Einrichtung selbst (innenarchitektonischer Aufbau, Größe, Ambiente etc.) und zum anderen werden die Besucher und das Personal sowie die Interaktionen zwischen den anwesenden Personen dokumentiert.Aus dem Bildmaterial ergaben sichHaupterkenntnisse wie ein gehobener Stil der Einrichtung (Möbel, Beleuchtung und Ambiente), die Präsenz einer gemischten Kundschaft bezüglich Alter, Geschlecht und Herkunft, sowie eine vertraute Atmosphäre zwischen Personal und Kundschaft und zwischen den einzelnen Gästen.

Die teilnehmende Beobachtungstellte sich als aufwendigste und ergebnisbezogen auch als die detaillierteste der drei angewandten Forschungsmethoden dar.Innerhalb des Untersuchungszeitraums konnten nicht nur Situationen sondern auch Handlungs- bzw. Verhaltensverläufe beobachtet werden. Ein weiterer Vorteil bot sich durch die Tatsache, dass Gespräche sowie andere Bemerkungen von den anwesenden Personen festgehalten werden konnten und so in die Interpretationen (z.B. auch des Photomaterials) mit einfließen konnten. Andererseits war die Beobachtungsphase trotz pretests und widersprechenden Erfahrungen während des Photographierens von einer außerordentlich geringen Anzahl an Besuchern geprägt. Ein Hauptergebnis der Beobachtung bestätigte sich auch durch das Verhalten der Personen im Zeitraum des Photographierens. Dies ist die Rolle des Flachbildfernsehers als zentraler Aufmerksamkeitspunkt in der Einrichtung. Das Fernsehprogramm (Fussball, kroatische Volksmusik, Realityshows) geben den Gesprächs- bzw. Interessensinhalt der anwesenden Personen wieder. Gründe hierfür sind zum einen die sehr zentrale Lage des Fernsehgerätes in der Einrichtung (über der Mitte des Tresens angebracht),sowie eine Auswahl der gezeigten Inhalte bezüglich massentauglicher Konsuminteressen, wie etwa Fussballspiele.

Das Interview stellte sich als die am ergiebigste qualitative Forschungsmethode von den drei verwendeten heraus. Durch das direkte Gespräch mit dem Besitzer und gleichzeitigem Geschäftsführer der Einrichtung war es zum einen möglich einen langen Erfahrungszeitraum der Person und ihrer Wahrnehmung bezüglich Veränderungen in der näheren Umgebung der Einrichtung abzufragen. Gleichzeitig konnten Nachfragen zu ungeklärten Sachverhalten, die sich unter anderem auch während der Anwendung der ersten beiden Forschungsmethoden ergaben, gestellt und beantwortet werden. Die Extraktion des Antwortmaterials zu den Fragen ergaben unterschiedliche Erkenntnisse.Das Betriebsmotiv ist durch den langjährigen Familienbesitz der Einrichtung gegeben. Ausserdem ist der Besitzer mit einer eigenen Baufirma im Trockenbaubereich tätig und betreibt das Café als Nebentätigkeit. Eine soziale sowie lokale Verwurzelungmit der Umgebung über mehrere Jahre hinweg isterkennbar(Sequenzen 5:55 bis 7:32 sowie 13:52 bis 14:24). Die interviewte Person äusserte im Bezug auf die direkte und indirekte Nachbarschaft zum einen problematische (Sequenzen 16:47 bis 17:56 und ) als auch freundschaftliche (Sequenz 18:07 bis 19:09) Verhältnisse. Die Nachbarschaft zeichnet sich durch viele Zugezogene (meist Studenten) aus (Sequenzen 12:09 bis 13:28). Dennoch gibt es auch eine ältere Bewohnerschaft von Rentnern, deren größter Teil (ca. 80 %) nach Einschätzungen des Besitzers aus Altersgründen jedochdie Einrichtung nicht mehr besucht. Der Interviewte sieht Moabit als momentanes und besonders zukünftiges Zentrum von Berlin. Entwicklungen wie Modernisierungen, Zuzug und die Nähe zum Regierungsviertel führen zum Anstieg des lokalen Mietniveaus. Die Einrichtung sticht nach Aussagen des Interviewten durch ihr neues und modernes Design hervor und hebt sich dadurch auch von anderen Einrichtungen in der näheren Umgebung ab.

Selbstreflektierend ist zu bemerken, dass zum Zeitpunkt der photographischen Dokumentation ca. 15 Personen in der Einrichtung anwesend waren. Das gezielte Photographieren der Einrichtung und der Personen (mit mündlicher Erlaubnis)sorgte in diesem Zeitraum für eine gewisse unvermeidbare Aufmerksamkeit. Dies könnte zur Folge gehabt haben, dass gewisse Situationen beeinflusst wurden und dadurch nicht in ihrer kompletten Natürlichkeit erfolgten.Durch die Methode des Photographierens konnten nur Situationsaufnahmen festgehalten werden, nicht aber deren Entwicklung bzw. Zusammenhang. Die Analyse durch diese Methode beschränkte sich zudem auf die Beschreibung von Einflüssen innerhalb eines lokal begrenzten Raums. Die Methode der teilnehmenden Beobachtung ist ähnlich lokal beschränkt. Doch konnten hier Gesprächsverläufe und atmosphärische Details (Musik, Temperatur, Gerüche, etc.)mit einbezogen werden. Im Rückblick auf das Interview wäre es hilfreicher gewesen die in der Gruppe recht allgemein formulierten Fragen auf die einzeln untersuchte Einrichtung hin anzupassen. Das Interview verlief insgesamt dennoch zufriedenstellend. Neue Erkenntnisse waren etwa der teilweise problematische Einfluss der unmittelbaren Nachbarschaft, sowie die Wahrnehmung des Standorts als sich sehr schnell veränderndes Zentrum in Bezug auf steigende Mieten und einen starken Zuzug von meist jugendlichen Bevölkerungsgruppen wie etwa Studierenden.

 

Maxonia_Teilnehmende_Beobachtung

Maxonia_Photoessay

Maxonia_Kodierte_Auswertung_Interview

 

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