Foto Essay Südkiez

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Der Untersuchungsraum wird überwiegend von Bewohner_innen des Quartiers als Transitraum genutzt. Sie konsumieren in kleineren Dienstleistungsbetrieben und in nahegelegenen Supermärkten. Die zahlreichen Spielplätze des Raumes werden von Kindern und Jugendlichen in Anspruch genommen (vgl. Bild 6). Der am Rande des Untersuchungsgebietes gelegene U-Bahnhof Turmstraße (vgl. Bild 4) fungiert eher nicht als Aufenthaltsort sondern ebenfalls als Transitort. Am U-Bahnhof ist ein relativ hoher Betrieb festzustellen, dieser kann auf die geringe Zahl der Bahnhöfe in Moabit zurückgeführt werden. Der Kleine Tiergarten (vgl. Bild 3) zwischen den beiden Eingängen des U-Bahnhofes ist vorwiegend ein Durchgangsort. Vereinzelt sind Menschen mit Hunden, Drogendealer_innen sowie Trinker_innen zu beobachten.

Die dominanteste Nutzer_innengruppe des Quartiers sind die Bewohner_innen. Scheinbar gibt es wenige Gruppen von außerhalb, die sich hier aufhalten. Auffällig ist in diesem Zusammenhang der Kontrast zwischen der Turmstraße und dem südlicheren Teil des Untersuchungsgebietes. Während auf der Turmstraße viele Migrant_innen und junge Menschen anzutreffen sind, ist der südlichere Teil durch „weiße“ Familien und ältere Menschen geprägt. Die Migrant_innen scheinen in anderen Teilen Moabits oder Berlins zu wohnen. An der Turmstraße sind vorwiegend günstige Geschäfte angesiedelt, im südlichen Teil gibt es hingegen weniger und teurere Läden. Dieser Nord-Süd-Kontrast kann durch den Vergleich eines Zeitungskiosk (vgl. Bild 1) und des Kaffeeangebots eines Cafés in der Elberfelder Straße (vgl. Bild 2) verdeutlicht werden. Im Gegensatz zu dem Café, in dem aus mindestens 13 verschiedenen Kaffeegetränken ausgewählt werden kann, bewirbt der Kiosk Boulevardzeitungen und türkisch-, russisch- und polnischsprachige Tageszeitungen sowie Bohnenkaffe für 80 Cent. In dem Café kostet ein Milchkaffee dagegen 2,40 Euro, ein für Berliner Cafés teurer, aber noch üblicher Kaffeepreis.

Trotz dieser Gegensätzlichkeit sind keine sichtbaren Konflikte bei der Raumnutzung festzustellen. Die Interessen der lokalen Gruppen scheinen demnach nicht übermäßig zu divergieren. Auch eine exklusive Nutzung des Raumes liegt im Untersuchungsgebiet nicht vor. Lediglich auf den Spielplätzen werden durch offizielle Verbotsschilder das Rauchen und der Alkoholkonsum (vgl. Bild 6) verboten, was zu einem Ausschluss von Gruppen führt, die die Spielplätze als Aufenthaltsorte während des Drogenkonsums nutzen wollen. Darüber hinaus ist das Fußballspielen auf dem Spielplatz verboten, so sollen vermeintliche Lärmquellen möglichst weit eingeschränkt werden.

Bei einem Gang durch das Quartier fallen die immer wieder eingesetzten Ortsbezüge auf. Einerseits sind im gesamten Quartier, vor allem an Straßenlaternen und Stromverteilerkästen, Sticker mit der Aufschrift „Moabit ist Beste“ verteilt. Andererseits gibt es beispielsweise die „Moabiter Bücherbank“ (vgl. Bild 5) (ein Projekt des Quartiersmanagements Moabit West), die an vielen Stellen Moabits anzufinden ist und Passant_innen zum Lesen und Verweilen anregen soll.

Zeichen für eine Strategie der Historisierung der Nachbarschaft gibt es nicht. Authentizität wird in Moabit nicht wie in anderen Stadtteilen durch historische Bezüge hergestellt, sondern unter anderem durch die „Moabit ist Beste“ Aufkleber und die „Moabiter Bücherbank“. Der Aufkleber ist im Slang einer vermeintlich jugendlichen Sprache gehalten, die Bücherbank steht für Bildung, einen nachbarschaftlichen Austausch und ein Gemeinschaftsgefühl. Authentizität wird also durch ansässige Cafés (das Café Moabit vertreibt die „Moabit ist Beste“ Sticker), aber auch durch staatliche Institutionen wie das Quartiersmanagement konstruiert ‒ höchstwahrscheinlich aber nicht, um das Quartier nach außen zu vermarkten. Vielmehr soll in der Bevölkerung ein Bewusstsein über den Wert des eigenen Wohnbezirks geschaffen werden.

Zusammenfassend handelt es sich bei dem Gebiet zwischen Turmstraße/Alt-Moabit im Norden und der Spree im Süden um ein eher ruhiges Quartier mit einer wenig ausgeprägten Gewerbenutzung, welches vorwiegend durch Bewohner_innen genutzt wird. Diese Stimmung soll auch durch das freie Photo ausgedrückt werden (vgl. Bild 7). Hier sind eine ruhige Straße und Menschen, die die Straße für alltägliche Wege nutzen, zu sehen. Es gibt wenige Personen, die sich auf der Straße aufhalten oder in ansässigen Geschäften dem Konsum nachgehen. Obwohl das Gebiet keine hohe Dynamik aufweist, ist ein langsamer Wandel zu beobachten: erste kleine Student_innenkneipen eröffnen und einzelne Büros sowie Galerien haben sich in den Erdgeschossen der Gebäude angesiedelt. Wie der allmählich anlaufende Prozess den Straßenraum und den Charakter Moabits verändert wird, zeigt die Zukunft.

Foto_Essay_Moabit_IIIa

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