Imbiss „Akasya Grill“

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Beim Untersuchungsort handelt es sich um eine Imbissbude im Berliner Stadtteil Moabit. Beim Eintreten sieht man auf der gegenüberliegenden Wand einen Getränkekühlschrank und 2 Tische mit jeweils 3 Stühlen zum Sitzen. Im linken Teil des Raumes befindet sich die Theke, hinter der eine Bedienung steht. Eine Theke mit verschiedenen geschnittenen Gemüse sowie Fleischgerichten schließt an eine mit verschiedenen Warmhaltebehälter für warme Speisen an. Daneben befindet sich noch eine Auslage für fertig abgepackte Salate und Süßigkeiten. Über der Theke befindet sich an der Wand die Speisekarte. Ein großer Teil der Wand zur Straße ist als Glasfront ausgelegt und ermöglicht es der Bedienung auch an einer Stelle zur Straße hin zu bedienen. Dieses Fenster befindet sich direkt neben dem Dönerspieß. Im rechten Teil des Raumes befindet sich noch ein Tisch mit 5 Stühlen und zwei Spielautomaten, die zum Untersuchungszeitpunkt allerdings ausgeschaltet waren. Eine Tür zu den sanitären Einrichtungen befindet sich ebenfalls im rechten Teil des Raumes.

Die Lichtverhältnisse waren wegen der großen Glasfront und einigen Neonröhren an der Decke sehr gut. Es roch nach Fett und das Radio lief durchgehend auf dem Sender RS2, was bedeutete, dass ungefähr jedes dritte Lied ein Weihnachtslied war. Allerdings war es nicht so gut zu hören, da die eingeschaltete Lüftung recht laut war.

Die drei ausgewählten Interaktionen spiegeln zu einem Hauptteil die sozialen Milieus und Gruppen wieder, die diesen Imbiss aufsuchen.

Zum einen Männer im mittleren Alter, die anscheinend aus der Nachbarschaft stammen, da sie ein vertrautes bzw. sogar privates Verhältnis zur Bedienung gepflegt haben. Sie bestellen zudem meist direkt auf türkisch, was darauf schließen lässt, dass sie wissen das Türkisch dort verstanden wird. Was deren Lebenstilpräferenzen angeht, lässt sich aus deren wiederholten Kauf von einem To-Go Döner zur Mittagszeit folgern, dass sie nicht unbedingt zu einer gehobenen Einkommensschicht gehören und die schnelle billige Nahrungsaufnahme Priorität vor Geschmack oder abwechslungsreicher Kost hat.

Dieser Gruppe ähnlich sind die Handwerker, in mittlerem Alter, die ebenfalls nicht zur gehobenen Einkommensschicht gehören und für die, die schnelle Nahrungsaufnahme in der Mittagszeit auch wichtig ist. Auffallend ist der zusätzliche Kauf von Ayran, also einem Getränk zur Mahlzeit. Allerdings sind diese mit dem Imbiss nicht vertraut und lesen sich erst die Karte durch oder Fragen nach welche Arten von Soßen es gibt.

Bei der dritten Gruppe handelt es sich um Personen in den Zwanzigern, wobei beide Geschlechter gleichermaßen vorkommen. Sie gehören ebenfalls nicht zu einer gehobenen Einkommensschicht, allerdings sind ihre Konsumpräferenzen anders. Wahrscheinlich handelt es sich um Studierende, da sie sich Zeit zum essen nehmen und dies sogar häufig im Imbiss selber tun während Berufstätige das Essen immer mitnehmen. Ihre bevorzugte Wahl von vegetarischen Gerichten lässt auf einen bewussteren Lebensstil schließen. Bei dieser Gruppe handelt es sich zum Teil um Personen aus der Nachbarschaft und zum Teil um Laufkundschaft.

Allen ist gemein, dass sie den Imbiss einzig zum Erwerb von Nahrungsmitteln und Getränken nutzen. Die meisten bleiben auch nur so lange bis ihre Bestellung zubereitet ist. Die Interaktion mit der Bedienung läuft immer nach dem selben Schema ab. Die Kundschaft kommt herein, stellt sich an den Tresen, bestellt etwas und bekommt es zubereitet. Währenddessen müssen einige Fragen zur Zubereitung beantwortet werden, je nach Bekanntheit der Person auch weniger. Danach wird das Gericht eingepackt oder auf einem Teller angerichtet und über den Tresen gereicht. Die meisten verlassen dann den Imbiss, einige setzen sich an einen freien Platz. Diese minimale Interaktion wird bei einigen Personen, die der Bedienung schon bekannt sind ein wenig erweitert und ein Gespräch auch über private Dinge kommt während der Zubereitung auf.

Nachfolgend werden Fragen 5, 7 und 8 so gut es geht, auf Grund der Fieldnotes beantwortet und nicht mit Hilfe der Kodierung. Dies liegt an mangelhaften Beobachtungen im Bezug zur Interaktion zwischen Gästen um diese Fragen ausreichend beantworten zu können.

Die Frage 5 „Welche Muster weist die Interaktion zwischen den Gästen auf?“ kann nur teilweise beantwortet werden. Die meisten Gäste kamen allein in das Geschäft und blieben nur wenige Minuten oder in einer festen Gruppe, die sich vorher schon kannte. Das heißt zu beobachtender Kontakt zu Neugästen fand nur selten statt, wenn zwei Einzelpersonen gleichzeitig im Geschäft waren. Die Interaktion zwischen diesen aber auch die Interaktion zwischen Beobachter und Gästen beschränkte sich dann auf ein kurzes Wahrnehmen der anderen Person und der Erkenntnis sich kurz anstellen zu müssen bis man dran kommt. Gespräche, physischer Kontakt oder auch längeres Ansehen blieben aus. Die Interaktion erfolgte somit anonym und auf ein Minimum reduziert.

Darauf aufbauend lassen sich auch die Fragen 7 „Wie und warum reagieren Gäste und Personal auf bisher unbekannte Gäste?“ und Frage 8 „Welchen Einfluss haben Einrichtung, Bewirtschaftungspraxis und Interaktionsmuster der Gäste in den Einrichtungen auf die Integration von Erst- und Neugästen?“ zum Teil beantworten.

Wie zuvor beschrieben interagieren Gäste nur untereinander, wenn sie sich vor Betreten des Lokals bereits kennen. Deshalb kann von einer Integration von Gästen nur im Bezug auf das Anstellen gesprochen werden. Hierbei diente die Theke als Bezugspunkt und die Gäste stellte sich vor dieser auf. Da es nur eine Bedienung gab wurde eine Person nach der nächsten bedient und das Personal interagiert jeweils nur mit einer Person bzw. Personengruppe.

Foto-Essay – Moabit IV – Imbiss

Moabit IV Imbiss Teilnehmende Beobachtung

Interview Moabit IV Imbiss

Transkription Moabit IV Imbiss

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